Wissenschaftliches Institut
der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen GmbH

Entwicklung der Qualitätsindikatoren

Hintergrund und Ziel
Die Messung von Versorgungsqualität – und damit auch der Behandlungsqualität – anhand von Qualitätsindikatoren setzt sich international immer mehr durch. Qualitätsindikatoren sind quantifizierbare Messgrößen, die helfen Schwächen und Stärken einer Praxis zu identifizieren. Sie geben wichtige Impulse an das Qualitätsmanagement einer Praxis. Das Qualitätsindikatoren-Projekt hat das Ziel, die Qualitätsbeobachtung und -berichterstattung in der ambulanten onkologischen Versorgung weiterzuentwickeln und zu verbessern.

 

Methodik und Teilergebnisse
Das Qualitätsindikatoren-Projekt gliedert sich in drei Phasen:
     1. Entwicklung des Indikatorensets
     2. Machbarkeitsanalyse
     3. Pilotstudie

Das Projekt wurde bereits erfolgreich abgeschlossen. Aufbauend auf den ersten beiden Phasen wurde eine Pilotstudie zur Erhebung der entwickelten Qualitätsindikatoren durchgeführt. Die Piloterhebung ist eine Pionierleistung des WINHO, da Indikatoren, die spezifisch für Versorgungsprozesse im Verantwortungsbereich niedergelassener Hämatologen und Onkologen sind, bisher noch nicht erhoben wurden.

1. Entwicklung des Indikatorensets
Unsere Vorgehensweise lehnte sich an das sehr erfolgreiche Vorgehen der von der American Society of Clinical Oncology (ASCO) initiierten Quality Oncology Practice Initiative (QOPI, USA) an. Auch im WINHO-Projekt wurde zunächst in der Literatur nach international bereits verfügbaren, relevanten Indikatoren gesucht. Es wurden unter Berücksichtigung von Leitlinien und der Onkologie-Vereinbarung zusätzliche Indikatoren formuliert. Insgesamt 67 Qualitätsindikatoren durchliefen ein zweistufiges Expertenbewertungsverfahren (modifiziert nach RAND/UCLA). Neben Vertretern aus einschlägigen Fachgesellschaften und Fachspezialisten – wurden auch Patientenvertreter zur Mitwirkung im Projekt eingeladen.

Als Ergebnis des mehrstufigen Verfahrens liegt ein WINHO-Indikatorensystem mit 46 relevanten, evidenzbasierten und konsentierten Qualitätsindikatoren für die ambulante medikamentöse Krebstherapie vor. Das Indikatorenset umfasst fünf krebsentitätsübergreifende Module sowie zwei spezifische Module zum Mammakarzinom und zu kolorektalen Karzinomen.
 

2. Die Machbarkeitsanalyse
Hierbei wurde den Fragen nachgegangen, ob bzw. mit welchem Aufwand sich die zur Berechnung der Indikatoren benötigten Daten im Rahmen der Routinedokumentation erheben lassen, mit welchen praktischen Hindernissen dies verbunden und welche Art der Unterstützung hierzu erforderlich wäre.
Die Machbarkeitsstudie umfasste vier Arbeitsschritte. Zunächst wurden Ratings aus der ersten Projektphase ausgewertet, die Aufschluss darüber geben sollten, welche Daten zur Messung der Qualitätsindikatoren bereits in Patientenakten dokumentiert werden. Darüber hinaus wurden Fragebögen zur "Machbarkeit" der einzelnen Fragebögen ausgewertet, semi-strukturierte Interviews mit niedergelassenen Hämatologen und Onkologen geführt und schließlich eine Probeextraktion der Daten vorgenommen.


Zentrales Ergebnis der Machbarkeitsanalyse ist, dass bereits sehr viele Daten, die zur Berechnung der Qualitätsindikatoren benötigt werden, von den niedergelassenen Hämatologen und Onkologen dokumentiert werden. Eine Herausforderung zur Messung der Versorgungsqualität besteht jedoch darin, diese Daten zu extrahieren, da die Daten nicht "per Knopfdruck" abrufbar sind. Die Verwendung unterschiedlicher Dokumentationssystem und -gewohnheiten sowie das Auffinden spezifischer Informationen in Fließtexten erschweren die Datenabrufbarkeit. Dennoch - das zeigen die Ergebnisse des Machbarkeitsfragebogens auch - genießen die WINHO-Indikatoren eine starke Akzeptanz unter den niedergelassenen Hämatologen und Onkologen.
Die Kurzfassung des Projektberichtes zur Machbarkeitsanalyse können Sie hier herunterladen. Die Ergebnisse der Machbarkeitsanalyse wurden in einer Kurzfassung des Projektberichtes zusammengefasst. Diese Kurzfassung können Sie hier als pdf herunterladen.
 

 

3. Pilotstudie
Ziel der Pilotstudie war die Herbeiführung der praktischen Voraussetzungen für eine routinemäßige Erhebung der entwickelten Qualitätsindikatoren in onkologischen Schwerpunktpraxen. Neben der auf Indikatoren basierten Qualitätsberichterstattung standen eine individualisierte Rückmeldung der Ergebnisse an die teilnehmenden Praxen sowie die Vorbereitung eines nachhaltigen Systems zur kontinuierlichen Erhebung und Weiterentwicklung der Qualitätsindikatoren im Vordergrund.
Für die erste Erhebungswelle wurde in Absprache mit der Fokusgruppe ein Starterset von sechs Qualitätsindikatoren bestimmt. Dieses Starterset umfasste fünf krebsentitätsübergreifende Qualitätsindikatoren sowie einen entitätsspezifischen Indikator für das Mammakarzinom. Die für das Starterset ausgewählten Indikatoren wurden in der Machbarkeitsanalyse als relevant und relativ gut erhebbar eingestuft. Im Verlauf der Pilotstudie wurden sukzessiv weitere Qualitätsindikatoren erprobt.
Die Datenerhebung für die Qualitätsindikatoren erfolgte retrospektiv durch qualifizierte Study Nurses bzw. medizinische Dokumentationskräfte.
Die Ergebnisse der Pilotstudie können Sie hier einsehen.
 

 

Ausblick
Weiterentwicklung der Qualitätsindikatoren
Eine kontinuierliche Weiterentwicklung des WINHO-Indikatorensets ist aufgrund des permanenten wissenschaftlichen Fortschritts und der Modifikationen von Leitlinien unerlässlich. Die WINHO-Indikatoren sind vielseitig und ausbaufähig. Sie könnten von allen an der ambulanten onkologischen Versorgungsstruktur beteiligten Einrichtungen genutzt werden – auch wenn sie in erster Linie für die Erfassung von Versorgungsprozessen niedergelassener Hämatologen und Onkologen entwickelt wurden.

 

Zeitplan
2009 bis 8/2014
 

Finanzielle Unterstützung
Die Qualitätsindikatoren-Studie wurde gefördert von der Deutschen Krebshilfe.