AZORE

Antragsverhalten zur Onkologischen Rehabilitation – eine Expertenstudie (AZORE)

Hintergrund:

Vor dem Hintergrund der in den westlichen Ländern zunehmenden Anzahl an Krebsüberlebenden ist von einem steigenden Bedarf an onkologischen Rehabilitationsleistungen auszugehen. Entgegen dieser Annahme sind im Bereich der onkologischen Rehabilitationsleistungen stagnierende bis rückläufige Antragszahlen festzustellen. Als mögliche Gründe für die Nicht-Inanspruchnahme benennen Patienten beispielsweise Zeitmangel aufgrund von familiären Verpflichtungen (Miedema & Easley, 2012).
Nur wenige Forschungsarbeiten (z. B. Virgo, Lerro, Klabunde, Earle, & Ganz, 2013) schließen derzeit die Sichtweise von beteiligten Behandlern (z. B. Ärzten) oder Beratern (z. B. Sozialarbeitern) ein. Da diese Experten die Antragstellung jedoch über Informationsweitergabe und andere Maßnahmen wesentlich steuern, sollte zukünftig vermehrt die Expertenperspektive berücksichtigt werden.

Ziel:

Die hier vorgestellte von der DRV Bund geförderte Studie untersucht mögliche Ursachen und Gründe für die Veränderungen des Antragsverhaltens im Bereich der onkologischen Rehabilitation (stationäre und ambulante Maßnahmen) aus Sicht verschiedener Expertengruppen.

Methodik:

Es handelt sich um eine Querschnittserhebung mit qualitativer und quantitativer Methodik. Auf Grundlage von 61 Leitfadeninterviews wurde ein Fragebogen zu Barrieren bei der Antragstellung konzipiert und nach erfolgten Prä-Testungen (Expertenurteil und Think-aloud-Methode) online eingesetzt. Der Fragebogen umfasste insgesamt 68 Items zu möglichen Barrieren. Die Bewertung erfolgte auf einer sechsstufigen Skala (1-6), wobei hohe Werte anzeigen, dass der abgefragte Aspekt als Barriere wahrgenommen wurde. Teilnehmende mit mehr als 1/3 fehlenden Werten wurden ausgeschlossen und fehlende Werte mittels EM-Algorithmus ersetzt. Im Rahmen der statistischen Analysen mit SPSS wurden anhand von Mittelwertanalysen die relevantesten Barrieren identifiziert sowie eine explorative Faktorenanalyse (EFA, Hauptkomponentenanalyse mit Oblimin-Rotation) durchgeführt.

Fazit:

Auf Grundlage von 61 Experteninterviews wurde ein standardisiertes Fragebogeninstrument entwickelt und online eingesetzt. Die Ergebnisse der quantitativen Erhebung verdeutlichen, dass vorrangig Aspekte des Antragsverfahrens, eine eingeschränkte Rehafähigkeit, ein mangelndes Zuweisungssystem sowie Aspekte der Krankheitsverarbeitung den Zugang zur onkologischen Rehabilitation erschweren. Aus den Ergebnissen lassen sich die folgenden Handlungsempfehlungen zur Optimierung des Rehabilitationszugangs ableiten: Flexibilisierung der AHB-Frist, Vereinfachung der Antragstellung (z. B. Einführung eines elektronischen Antragstellungsverfahrens), Bereitstellung von Anträgen/Informationsmaterialien in weiteren Sprachen, Ausrichtung der Reha-Kliniken auf spezifische Patientengruppen sowie Ausbau von ambulanten Rehaangeboten und verbesserte Patientenaufklärung über die Inhalte der onkologischen Rehabilitation.

Koordination

Das Projekt wurde zentral über das Studienzentrum in der Klinik für Onkologische Rehabilitation des Universitätsklinikums Freiburg koordiniert.

Kooperationspartner:

  • Wissenschaftliche Institut der niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (WINHO)
  • Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
  • Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen (DVSG)

Projektlaufzeit:

05/2017 bis 09/2019